Sonntag, 6. August 2017

REZENSION: "Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln" (Hrsg. Christian Handel)

Copyright Drachenmond Verlag

Titel: Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln
Autor: Christian Handel (Hrsg.)
Genre: Märchen / Erzählungen / Fantasy
Verlag: Drachenmond Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (14,90 €)
Seiten: 400
ISBN: 978-3-95991-181-8


Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln wartet das Märchenreich auf den Leser - mit Geschichten über düstere Feen und blutdürstige Hexen, die im Verborgenen lauern, über verwunschene Harfen und lange vergessene Zauber und über mutige Helden und starke Prinzessinnen, die für das Gute kämpfen. Kommt in die Märchenwelt!

Dieses Cover: Ich liebe es! Es ist eines der schönsten, zauberhaftesten und magischsten aus dem Drachenmond Verlag und passt so perfekt zu diesem Märchenbuch, dass man einfach nicht daran vorbeikommt. Auf der Drachennacht hat mich dieses traumhafte Bild förmlich in seinen Bann gezogen und ich musste das Buch einfach mitnehmen. Alexander Kopainski hat also wieder einmal ganze Arbeit geleistet! ;)

Eigentlich konzentriere ich mich ja auf die Young-Adult und Dystopie-Titel aus dem Drachenmond Verlag, Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln hat mich allerdings neugierig gemacht - auf moderne und neu interpretierte Märchen, auf magische Geschichten und verwunschene Welten. In diese entführen den Leser nämlich nicht nur das sagenhaft schöne Cover und natürlich die Worte selbst, sondern auch die aufwendigen und liebevollen Zeichnungen, mit denen die Seiten verziert sind und die auf jede einzelne Geschichte abgestimmt sind. Rein optisch ist Christian Handels Anthologie also schon einmal ein wahr gewordener Märchentraum.

Zwischen den zauberhaft gestalteten Buchdeckeln verbergen sich insgesamt 18 märchenhafte Geschichten von ebenso vielen Autoren. Jedem Märchen sind eine große Illustration und ein Absatz mit Hintergrundinfos zum jeweiligen Autor vorangestellt, was mir sehr gut gefällt. Man spürt dadurch einfach, dass der Herausgeber Christian Handel sein Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat und dass er es mit einem echten Blick für jedes noch so kleine Detail umgesetzt hat. Außerdem bekommt man so schon einmal ein Gefühl für die Autoren, die ja doch alle sprachlich und thematisch sehr unterschiedlich schreiben. Allerdings war ich gleich auf den ersten Seiten etwas ernüchtert, denn die allererste Geschichte, "Die Kinderfresserin" von Julia Adrian, hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich weiß, dass viele Leser Die dreizehnte Fee lieben, ich aber bin weder mit ihrem Schreibstil noch mit der Handlung warm geworden. Da war ich ziemlich froh darüber, dass es nur eine Kurzgeschichte und kein ganzer Roman war, denn den hätte ich sicher abgebrochen.

Leider ging es erst einmal ähnlich schleppend weiter, denn viele der Geschichten sind einfach so weit von dem entfernt, was ich mir unter einem Märchen vorstelle, dass ich irgendwie die Lust und das Interesse verlor. Tatsächlich liegt das, so vermute ich, hauptsächlich am Schreibstil. Denn die meisten der in Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln versammelten Autoren erzählen ihre Geschichten aus der Ich-Perspektive - etwas für Märchen (egal ob Volks- oder Kunst-) derart Untypisches, dass für mich ein großer Teil des Zaubers verloren ging. Und auch inhaltlich sprachen mich viele Geschichten überhaupt nicht an - einige habe ich sogar übersprungen. Das ist natürlich reine Geschmackssache und ich denke, dass meine Enttäuschung vor allem mit meinen doch recht klaren Vorstellungen von einem Märchen zusammenhängt.

Ich habe das Buch dann erst einmal für mehrere Wochen liegen gelassen und schließlich Anfang August wieder zur Hand genommen. Und siehe da: Schwuppdiwupp flogen die Seiten dahin. Ich glaube nicht unbedingt, dass die ersten sieben Kurzgeschichten, die ich bis dahin gelesen hatte, allesamt enttäuschend oder in meinen Augen gar schlecht sind - vermutlich hatte ich mich nach der Lesepause einfach mit diesen ganz neuartigen und auf ihre eigene Art und Weise magischen Märchengeschichten abgefunden und beschlossen, mich darauf einzulassen. Denn bis auf ein, zwei Ausnahmen habe ich alle folgenden Erzählungen sehr sehr gern gelesen. Hier habe ich dann die teilweise witzigen und gewagten, aber auch spannenden Neuinterpretationen klassischer Märchen wie "Aschenputtel" und "Schneewittchen" sowie die Vermischung typischer Märchenmotive mit modernen Aspekten wirklich bewundert. Einige der Geschichten sind mit ihrer Raffinesse und ihren liebenswerten Figuren schlichtweg faszinierend - zauberhaft, magisch, märchenhaft.

Natürlich möchte ich euch nicht vorenthalten, welche Autoren und Geschichten mich besonders erreicht und mich schließlich ins Reich der Magie entführt haben. Deswegen hier eine Aufzählung meiner persönlichen Favoriten (ohne Rangfolge, sondern in der Reihenfolge, wie sie in der Anthologie enthalten sind):

  • Kate Forsyth: "Graf Steinherz"
  • Tanja Kinkel: "Der Schneemann und die Ziege"
  • Diana Menschig: "Das Wappen"
  • Christoph Marzi: "Das Glück lebt still im tiefen Wald"
  • Fabienne Siegmund: "Das Rosenkind"
  • Christian Handel: "Der Fluch der wahren Liebe"
  • Björn Springorum: "Das knöcherne Mütterlein"
  • Susan Wade: "Der schwarze Schwan"
  • Juliet Marillier: "Knochenlicht"
Ich bin jetzt sogar selbst ein wenig überrascht, denn genau die Hälfte der Geschichten hat mich mitgerissen, fantastisch unterhalten, fasziniert und zum Staunen gebracht. Von den anderen 9 Märchen haben mir einige gar nicht gefallen, einige fand ich wiederum ganz okay, wenn auch nicht besonders originell. Das ist doch eigentlich eine gute Bilanz, denn schließlich kann einem nicht jede in einer Kurzgeschichtensammlung enthaltene Geschichte gefallen und außerdem hat ja jeder so seine Vorlieben beim Lesen. Deswegen ziehe ich auf jeden Fall ein positives Resümee und freue mich schon auf die zweite Anthologie, die ja im Herbst erscheinen soll.

Die von Christian Handel herausgegebene Märchen-Anthologie Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln war für mich so etwas wie ein Experiment, auf das ich mich erst einmal einlassen musste. Einige der Geschichten haben mich leider überhaupt nicht überzeugt, dafür aber habe ich ganze 9 kleine Juwelen entdeckt, die ich schon nach dem ersten Lesen ins Herz geschlossen habe. Am Anfang dachte ich tatsächlich, das mit dem Buch und mir würde gar nichts mehr werden. Aber ich bin zum Ende hin doch noch sehr positiv überrascht worden - deswegen probiert es einfach aus und lasst euch verzaubern! Aber mit der Warnung: Vergesst eure Vorstellungen von klassischen Märchen und lasst euch auf etwas ganz Neues ein! Nur dann kann man sich von den Erzählungen auch begeistern lassen ;)



1 Kommentare:

Anna von AnnasBuecherstapel.de hat gesagt…

Hey Svenja,

dieses Cover finde ich so unglaublich großartig! Ich habe auch schon oft überlegt, ob ich dem Buch mal eine Chance gebe, aber da es eher Kurzgeschichten sind, war ich mir dann wieder nicht so sicher. Oft sind Kurzgeschichten halt wie Pralinenschachteln - ein paar sind echt gut, aber viele irgendwie nicht. :-/ Hmm...

Alles Liebe,
Anna

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